Der Eris-Effekt

Warum fremde Erwartungen der größte Faktor für Misserfolg sind und wie die Weltgeschichte uns lehrt, unserer inneren Vision zu folgen

Eine der größten Misserfolgsfaktoren, die es auf der ganzen Welt gibt, sind anders als erwartet nicht Faulheit oder Bequemlichkeit, sondern fremde Erwartungen. Vor allem das Bedürfnis diese fremden Erwartungen erfüllen zu wollen. 

Das kann nicht gut gehen. Das zeigt uns schon die griechische Mythologie. 

Die Geschichte ist folgende: Alle Götter sind eingeladen zur Hochzeit von Peleus und Thetis ausgenommen einer Person: nämlich der Göttin Eris, der Göttin der Zwietracht. 

Denn alle Menschen haben Angst, dass Eris den Frieden bei der Hochzeit stören könnte. Doch gerade weil sie nicht eingeladen wurde, passiert das, was alle Menschen befürchteten. Eris ist zutiefst beleidigt und wirft von der Tür aus einen goldenen Apfel in die Menge, wie sie sagt, für die Schönste und den Schönsten unter den Göttern. 

Es kommt wie es kommen musste. Es entsteht ein riesiger Streit zwischen Hera, Aphrodite und Athene, wem dieser Apfel gebührt. (Daher übrigens auch der Name “Zank-Apfel” oder “Eris-Apfel”). 

Der Biss in den sauren Eris-Apfel

Zeus, der oberste Gott, wird von allen erwartungsvoll angeschaut und merkt, dass diese Situation sehr heikel ist und er nur verlieren kann, denn er kann nicht alle gleichzeitig zufrieden stellen. 

Er kann nur eine berücksichtigen und die beiden Anderen enttäuschen. Daher verweigert er sich dieser unlösbaren Aufgabe. Wie das Bosse eben so machen, delegiert er die Aufgabe an den armen, schönen Paris, den Prinzen von Troja. Um den Prinzen für sich einzunehmen, versucht jede der drei Göttinnen ihn auf ihre Weise zu bestechen. 

Hera verspricht ihm die Herrschaft über die Welt, Athene verspricht ihm Weisheit und Aphrodite die Liebe der schönsten Frau der Menschheit. Paris ist ein junger Prinz und wird noch sehr vom Testosteron gesteuert. Er tappt in die Falle und wählt Aphrodite, die ihm die schönste Frau der Welt versprochen hat. 

Aphrodite ist in ihrem Ego gestärkt, doch die anderen beiden Göttinnen sind richtig wütend auf Paris und werden ihm nie wieder verzeihen. Doch auch die Belohnung von Aphrodite wird Paris nicht glücklich machen, denn was Aphrodite nicht erwähnt hat, die schönste Frau der Welt Helena war bereits mit Menelaos, dem mächtigen König von Sparta, verheiratet. 

Paris entführt Helena, die sich auch in ihn verliebt. Menelaos kann diese Demütigung nicht auf sich sitzen lassen und stachelt sämtliche Könige Griechenlands an, Troja zu vernichten. So beginnt der berühmte trojanische Krieg. Eris, die Göttin der Zwietracht, hat ihr Ziel erreicht. Sie hat maximale Zwietracht gesät. 

Was hat diese Geschichte mit Dir und Deinem Erfolg zu tun? 

Wenn Du jemand bist, der sich Erfolg wünscht und der seine innere Blaupause immer mehr auf Erfolg einstellt, dann wirst Du auf einmal eine anziehende Persönlichkeit werden. Menschen werden erwartungsvoll auf Dich schauen, wie die drei Göttinnen auf Paris geschaut haben. 

Das ist der Moment, ab dem die meisten Menschen dann scheitern. Denn natürlich wollen wir die Erwartungen erfüllen, aber in dem Moment, in dem wir versuchen, äußere Erwartungen zu erfüllen, sind wir augenblicklich nicht mehr bei uns selbst. Du erinnerst dich, wirkliche Veränderungen passieren nur von innen nach außen. 

Ausstrahlung ist der Schlüssel dazu. Du hast Dich jetzt innerlich so verändert, dass es nach außen sichtbar wird. Du beginnst anziehend auf andere Menschen zu wirken. Achte einmal darauf! 

Wenn Du fremde Erwartungen erfüllen willst, kannst Du nur verlieren

Das Problem dabei ist nun, dass die meisten Menschen, die Du anziehst, leben selbst nicht von innen nach außen. Sie leben von außen nach innen. Sie übernehmen also selber keine Verantwortung für ihr eigenes Leben und suchen im Außen nach Lösungen. 

Ein Mensch mit einer anziehenden Ausstrahlung erscheint für sie jetzt wie die heiß ersehnte Abkürzung ihre eigenen Probleme zu lösen. Du bist also in der gleichen Situation wie Paris. Paris wurde nach seiner Geburt ausgesetzt und überlebte nur, weil ihn eine Bärin aufgenommen hat. 

Paris ist also jemand, der eigentlich vollkommen in seiner eigenen Mitte ist. Er ist jemand, der von innen nach außen lebt. Er wächst so abgeschirmt auf, dass die Außenwelt bisher keinen Einfluss auf ihn hatte. Doch jetzt wird er auf einmal mit den allerstärksten Erwartungen von außen konfrontiert. 

Weil er keine Erfahrung damit hat, scheitert er daran. Statt sich auf seine eigene Mitte zu verlassen und sich gegen die Erwartungen von außen abzuschirmen, lässt er sich von den äußeren Erwartungen zu einer Entscheidung hinreißen, mit der er unweigerlich die anderen beiden Göttinnen enttäuschen muss.

Wenn Du diese anziehende Persönlichkeit entwickelt hast, dann musst Du wissen: Die äußeren Erwartungen erfüllen zu wollen, das geht niemals gut. Du wirst immer irgendjemanden enttäuschen. Je mehr Du versuchst, die Erwartungen aller zu erfüllen, desto mehr werden die Erwartungen an Dich noch steigen. Es ist ein Spiel, das Du niemals gewinnen kannst. 

Am Ende der Geschichte stirbt Paris an zwei Giftpfeilen. Seine erste Frau hätte ein Gegengift, verweigert es ihm aber, da er sie wegen Helena verlassen hatte. Die Geschichte geht also überhaupt nicht gut aus. So ist es, wenn man versucht, fremde Erwartungen zu erfüllen. 

Wenn selbst der oberste Gott Zeus, es nicht schafft, alle Erwartungen zu erfüllen, wie sollte das dann ein normaler Sterblicher schaffen?

Ohne klar definiertes Ziel bist Du ein leichtes Ziel für die Erwartungshaltung Anderer

Was ist also zu tun? Du musst immer wieder Abstand von den äußeren Erwartungen nehmen und Dich zurückbesinnen auf Deine Vision, auf Dein Ziel, auf Dein Dir würdiges Ideal. Das ist kein Egoismus. Es ist einfach eine Frage des Zentriertseins auf Dein Innerstes. 

Wenn Du kein klar definiertes Ziel hast, dann wirst Du kein eigenes Leben führen, sondern ein Leben, das von außen gelenkt wird. Ein klar definiertes Ziel macht Dich zu dem Menschen, der Du sein musst, um Deine Träume zu erreichen. Aber es tut noch mehr als das: Ein klar definiertes Ziel macht Dich immun gegenüber den Erwartungen von anderen. 

Denn dieses Ziel hat eine stärkere Schwingung als die Erwartungen anderer da draußen. Deshalb die Frage: Beschäftigst Du Dich jeden Tag mit Deinem klar definierten Ziel? Hast Du es klar aufgeschrieben? Wenn Du das bisher nicht tust, kann ich Dir nur mein Goal Achiever Programm ans Herz legen, wo wir gemeinsam daran arbeiten, dass Du Deine Ziele klar definierst und schließlich auch erreichst. Beschäftige Dich wirklich täglich mit Deinem Ziel, solange bis Du es erreicht hast. 

Wenn Du Dich etwas intensiver mit der Geschichte beschäftigst, wirst Du feststellen, dass alle Menschen, die die Geschichte nachhaltig und positiv beeinflusst haben, die waren, die eine starke innere Vision hatten. 

Das sind Menschen, die sich nicht von ihrer Mission haben abbringen lassen. Das sind Menschen, die sich nicht von fremden Erwartungen beirren haben lassen. Nicht nur, dass diese Menschen unbestechlich sind, sie bleiben unbeeinflusst gegenüber den Erwartungen, die andere Menschen ihnen entgegenbringen. 

Sie geben nicht auf bis sie ihre Vision in ihrem Leben manifestiert haben. Und am Ende haben sie alle anderen mitgezogen. Ich könnte jetzt zahlreiche Beispiele von großen Dichtern, Denkern, Religionsstiftern, Politikern, Staatsmännern oder Künstlern nennen. Ein gutes Beispiel ist der Prophet Mohammed. 

Er ist immer wieder in die Wüste gegangen und hatte dort Begegnungen mit dem Erzengel Gabriel. Dieser diktierte ihm den Koran, ein Text, der von der Sprache her so mächtig war und heute immer noch mächtig ist, dass er Menschen sehr, sehr stark beeindrucken konnte. Warum? 

Die Kultur, aus der Mohammed kam, war eine Kultur, die die Kunst der Sprache sehr hoch geschätzt hat. Jemand, der sich sprachlich gut ausdrücken konnte, hatte einen magischen Schlüssel zu den Herzen und zu dem Geist seiner Mitmenschen in der Hand. 

Die Kunst der Sprache ist im arabischen Raum die allerhöchste. So etwas, was Mohammed geschrieben hatte, hatte noch nie zuvor jemand geschrieben. In seiner Heimatstadt Mekka gab es eine besonders heilige Stätte – die Kaaba. Diese gibt es heute noch und jedes Jahr pilgern zahlreiche Gläubige dorthin. 

Die Kaba ist ein Ort, wo ein Meteorit aufbewahrt wird, der dort eingeschlagen war. Zu Mohammeds Zeit war Mekka eine belebte Touristenhochburg. Von überall her kamen die Menschen zur Kaaba, um dort Statuen ihrer Götter aufzustellen und anzubeten. Die Stadt floriert, die Leute leben in Saus und Braus und alle sind reich und glücklich. Jetzt kommt dieser Mohammed und sagt: “Es gibt keinen Gott außer Allah!” Alle Statuen müssen weg. 

Die Erwartungshaltung der Menschen um Mohammed herum ist: “Kann denn dieser Kerl nicht einfach still sein und uns machen lassen?” Denn er störte ganz eindeutig das Tourismusgeschäft. Was macht Mohammed? Er zertrümmert mit einer Handvoll Anhängers sämtliche Götterstatuen. Daraufhin werden die Leute in Mekka so richtig sauer und er muss fliehen. 

Er ist also seiner Vision gefolgt und hat sich in keinster Weise von äußeren Erwartungen davon abbringen lassen. Ein paar Jahre später sollte er zurückkommen, die ganze Stadt erobern und zum Islam bekehren. Der Rest ist Geschichte. 

Es gibt also sehr viele Beispiele aus der Weltgeschichte von Menschen, die sich den äußeren Erwartungen verschlossen haben und ihrer eigenen inneren Vision treu geblieben sind und einfach ihren Weg gegangen sind. 

Tatsächlich wirst Du auf der Welt keine Religion finden, deren Gründungsgeschichte nicht damit beginnt, dass ihr Gründer seiner Vision gefolgt ist und ihr bis zum Ende trotz Verfolgung treu geblieben ist. Solange bis der Weg auch von allen anderen als richtig angesehen wurde. 

Die entscheidende Frage, die Du Dir immer wieder stellen musst

Gleichzeitig gibt es aber auch zahllose Beispiele in der Geschichte von Menschen, die so wie Paris an den äußeren Erwartungen gescheitert sind. Zum Beispiel Willy Brandt, der Friedensnobelpreisträger von 1971, der als Bundeskanzler zurückgetreten war, um die Verantwortung für einen Spion zu übernehmen.

Neuere Geschichtsforschungen zeigen, dass Willy Brandt zu diesem Zeitpunkt innerlich zerbrochen war. Zerbrochen an den hohen Erwartungen, die an seine Person gesetzt waren. 

Er überließ das Feld einem Mann namens Helmut Schmidt. Du kennst ihn. Ein Mann, der in seinem Leben bereits gezeigt hatte, dass er sich nicht von fremden Erwartungen beeinflussen lassen würde. Du siehst also sogar sehr bekannte Persönlichkeiten wie Willy Brandt haben mit dem Eris-Effekt zu kämpfen.

Verleugnest Du Deine eigenen Bedürfnisse?

Die Frage ist: Warum sind wir so anfällig gegenüber fremden Erwartungshaltungen von außen? Die beste Antwort findet sich in dem 1979 erschienen Buch von Alice Miller “Das Drama des begabten Kindes”. 

Ich habe dieses Buch das erste Mal vor 25 Jahren gelesen und es hilft mir heute noch zu verstehen, was eigentlich in uns passiert. Als Kind wollen wir die Erwartungen unserer Eltern erfüllen. Im Erwachsenenalter wird dies zu einem festen Verhaltensmuster, also Teil unseres Paradigmas. 

Miller beschreibt, wie das Kind die bewussten und auch die unterbewussten Wünsche der Eltern spürt und sich dem anpasst, um sich die zum Überleben notwendige Aufmerksamkeit und Liebe der Eltern zu sichern. 

Der Haken an der Sache ist der, dass das Kind dadurch seine eigenen Bedürfnisse verleugnen muss. Das eigene Innere wird nicht mehr wahrgenommen, sondern nur noch die äußeren Erwartungen. Hier wird also der Keim für den Eris-Effekt gelegt. Der zwiespalt zwischen dem eigenen inneren Wunsch und den äußeren fremden Erwartungen. 

Das Schlimme daran ist, dass die Erwartungen der Eltern vollkommen vom Kind übernommen werden. Sie werden verinnerlicht. In der Fachsprache bezeichnet man so etwas als “Introjekt”. Dieses Introjekt wird zum Teil des Paradigmas, lebt in jedem Einzelnen immer weiter fort und entscheidet unser Verhalten. Dadurch entsteht eine unglaubliche Ambivalenz. 

Tu ich das, was ich wirklich will oder erfülle ich fremde Erwartungen. Meistens sind diese Introjekte so tief verankert, dass ein Mensch gar nicht mehr für sich selber entscheiden kann. 

Die entscheidende Frage ist nun: Was glaube ich wirklich zu wollen? Ist das, was ich meine wirklich zu wollen, eigentlich eine äußere Erwartungshaltung an mich? Was will ich selber wirklich? Ich möchte Dich einladen, Dir diese gefährliche Frage immer wieder zu stellen, denn nur so wird es Dir gelingen, genau das Leben zu erschaffen, das Du Dir wirklich wünschst. 

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